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"Ich habe meinen ersten Alexanderunterricht
bekommen - was tue ich nun?"

von Catherine Kettrick, Ph.D.

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Wenn es Ihnen wie vielen Alexanderschülern ergeht, haben Sie wahrscheinlich während Ihrer ersten Lektion neue kinästhetische Sinneseindrücke erfahren und nun fragen Sie sich, wie diese Erfahrung zu wiederholen sei. Es kann sein, dass Sie ein wenig verwirrt sind, wegen Kopf und Körper und warum der Kopf nach vorne und oben gehen und der Körper folgen sollte. Vielleicht fragen Sie sich, was Denken mit Bewegen zu tun hat. Und wahrscheinlich sind Sie am meisten daran interessiert, was zu tun sei, damit dies alles wieder passiert.

Diese kleine Schrift wird einige grundlegende Ansichten, von welchen die Alexandertechnik ausgeht aufzeigen und einige der von Schülern am häufigsten gestellten Fragen beantworten.

Grundbegriff Nr. 1:
MUSKELN KÖNNEN NUR ZUSAMMENZIEHEN

Legen Sie einen Arm, die Handfläche nach oben, auf den Tisch. Jetzt biegen Sie Ihren Ellbogen. Wenn Sie ganz einfach dieser Anweisung gefolgt sind, sollte sich Ihre Hand näher zur Schulter bewegt haben. Es gibt einen Muskel, der das Ellbogengelenk überquert und am Unterarm angewachsen ist. Wenn Sie Ihren Ellbogen "biegen", verkürzen Sie diesen Muskel, indem Sie ihn anspannen. Muskeln können nur kürzer werden, wenn Sie sie anspannen, sie können nicht länger werden.

Diese Tatsache betrifft die ganze Skelettmuskulatur Ihres Körpers.

Grundbegriff Nr. 2:
IHR KÖRPER HAT EINE NATÜRLICHE "RUHE"-LÄNGE

Stellen Sie sich eine Metallfeder vor. Unbeeinflusst hat sie eine natürliche Ruhelänge. Drücken Sie darauf, wird die Feder kürzer. Nehmen Sie die Hand von der Spirale weg "wird sie länger" dadurch, dass sie zu ihrer natürlichen Ruhelänge zurückkehrt.

Sie können auf Ihren Körper "drücken" und ihn verkürzen durch ein Anspannen (= Zusammen-

ziehen) von verschiedenen Muskeln. Wenn Sie zum Beispiel die Muskeln im Rücken anspannen, werden diese sich verkürzen; das obere Ende des Rückens wird näher zum unteren Ende des Rückens gebracht und dies wird die Brust "herausstehen" lassen. Stoppen Sie das Anspannen dieser Muskeln, wird Ihr Körper zu seinem vorherigen Zustand zurückkehren. Wenn Sie die Muskeln der Vorderseite Ihres Körpers zusammenziehen, können Sie sich in eine eingefallene Haltung hinunter-"drücken". Um wieder aus der "Eingefallenheit" heraus zukommen, brauchen Sie nur aufzuhören, die Muskeln der Vorderseite Ihres Körpers zusammenzuziehen, welche die Eingefallenheit verursacht hatten.

Grundbegriff Nr. 3:
ES GIBT NUR ZWEI MÖGLICHKEITEN WIE SICH IHR KOPF IN BEZUG AUF IHREN KÖRPER BEWEGEN KANN: NACH UNTEN ODER NICHT NACH UNTEN

Ihr Kopf ist sehr fein ausgewogen am obersten Ende der Wirbelsäule "in bestmöglichem Gelöstsein". Sie können dieses natürliche Gelöstsein durch Anspannen der Muskulatur im Hals beeinträchtigen (versuchen Sie dies aber nur sachte!). Wenn Sie genau beobachten, werden Sie bemerken, dass Ihr Kopf aus dem natürlichen, ruhigen Gelöst-sein gezogen wird, meistens nach hinten und nach unten. Um die Bewegung des Kopfes in diese Abwärtsrichtung zu stoppen, müssen Sie das Anspannen der Muskeln in Ihrem Hals stoppen, und Ihr Kopf wird sich gelöst "nach oben bewegen", weil Sie aufgehört haben, ihn nach unten zu ziehen.

Grundbegriff Nr. 4:
IHR KOPF BEWEGT SICH ZUERST

Für jede von uns gemachte Bewegung bewegt sich der Kopf als erster Körperteil. Diese Idee mag vorerst nicht einleuchtend scheinen, weil wir meinen unser Bein bewege sich zuerst, wenn wir einen Schritt tun, oder unsere Hand bewege sich zuerst, wenn wir nach etwas greifen wollen. Wenn Sie jedoch ein sehr sorgfältiger Beobachter sind, werden Sie beim Ergreifen einer Tasse auf der anderen Seite des Tisches bemerken, dass die allererste sich ereignende Veränderung eine Veränderung der Beziehung des ganzen Kopfes zum ganzen Körper ist; höchstwahrscheinlich haben Sie den Kopf durch unnötiges Anspannen der Muskulatur im Hals in eine Abwärtsrichtung zum Körper hin bewegt.

Grundbegriff Nr. 5:
DAS AUSGLEICHENDE GELÖSTSEIN IHRES KOPFES ZUOBERST AUF IHRER WIRBELSÄULE BESTIMMT IHR GLEICHGEWICHT UND IHRE KOORDINATION

Ihr Kopf ist normaler- und natürlicherweise zuoberst auf der Wirbelsäule fein ausbalanciert und kann sich in diesem Zustand des flexiblen Gleichgewichtes jeder von Ihnen gemachten Bewegungen anpassen. Leider spannen die meisten von uns die Muskeln des Halses zu stark an, was den Kopf in seinem freien Beweglich-sein behindert und deshalb unsere natürliche Koordination und Balance stört.

Grundbegriff Nr. 6:
WIR SIND ALLE MIT DER FÄHIGKEIT GEBOREN, UNS LEICHT, NATÜRLICH UND ANMUTIG ZU BEWEGEN.

Denken Sie an eine Katze, die leicht vom Boden auf einen Tisch springt, oder an einen Torhüter, der um einen Ball zu fangen "durch die Luft fliegt", oder an Fred Astaire und Ginger Rogers beim Tanzen. Wir alle sind von Geburt aus fähig, uns so frei und leicht zu bewegen wie sie, aber wir lernen unsere eigene natürlich gegebene Koordination zu stören. Es ist normal, natürlich und leicht zu sein in unseren Bewegungen, frei von jeder andauernden Muskelstarre oder von Schmerz. Es mag nicht dem Durchschnitt entsprechen, aber es ist eindeutig normal, einer leichten Beweglichkeit fähig zu sein.

Grundbegriff Nr. 7:
WAS WIR GEWOHNT SIND, EMPFINDEN WIR ALS RICHTIG, WEIL WIR ES UNS ANGEWÖHNT HABEN

Wir bewegen uns beim Gehen, Reden, Sitzen, Spielen, Rennen, Nähen, Lesen, Arbeiten am Computer auf die uns eigene Art und Weise, weil wir diese als richtig empfinden. Wir empfinden sie als richtig, weil wir uns schon so lange auf diese Art bewegt haben, dass wir uns an sie gewöhnt haben. Wenn Sie zum Beispiel Ihre Hände falten, wird entweder der eine oder der andere Ihrer Daumen oben sein. Wenn Sie jetzt die Hände so falten, dass der andere Daumen oben ist; sollte Ihnen diese Position sehr falsch vorkommen. Dieselbe Erfahrung werden Sie machen, wenn Sie einen Ring an einen anderen Finger wechseln oder wenn Sie Ihre Uhr um das andere Handgelenk legen. Wenn Sie jedoch fortfahren, Ihre Hände auf die "falsche Art" zu falten oder Ihre Uhr am anderen Handgelenk zu tragen, werden Sie sich bald an diesen Zustand gewöhnt haben, so dass Sie die vorherige "richtige Art" jetzt als falsch empfinden.

Grundbegriff Nr. 8:
WAS ALS RICHTIG EMPFUNDEN WIRD, IST WAHRSCHEINLICH NICHT RICHTIG

Wenn wir irgend eine Bewegung machen, erhalten wir Rückmeldungen von den Nervenenden in unserer Muskulatur über die Bewegung, die wir eben gemacht haben. Wir benützen diese Rückmeldungen um zu beurteilen, ob wir uns so bewegt haben wie wir wollten. Leider ist unsere Beurteilung oft im Irrtum. Sie ist im Irrtum wegen Ansicht Nr. 7: wir haben uns schon so lange auf eine bestimmte Weise bewegt, dass wir angefangen haben, sie natürlich und richtig zu empfinden, und wir gebrauchen dieses richtige und natürliche Empfinden, um unsere Handlungen zu beurteilen. Wie wir uns tatsächlich bewegen, ist wahrscheinlich sehr verschieden davon, wie wir empfinden uns zu bewegen. Neue Schüler in Alexanderlektionen empfinden sich manchmal zum Beispiel eher "nach vorne fallend" als aufrecht stehend, obwohl sie sich in einem Spiegel aufrecht stehen sehen und andere Schüler der Klasse ihnen bestätigen, dass sie wirklich aufrecht stehen und tatsächlich gar nicht nach vorne fallen. Die neuen Schüler fühlen sich vornüber fallend, weil sie offensichtlich weiter vorne sind, als da wo sie sich normalerweise zu halten belieben, was weiter hinten als aufrecht ist. Die Art und Weise der Beurteilung der Information aus ihrem Muskelsinn ist nicht mehr entsprechend genau.

SIE KÖNNEN NICHT ANNEHMEN, EXAKTES BEURTEILEN AUF UNGENAUES INTERPRETIEREN STÜTZEN ZU KÖNNEN.

Grundbegriff Nr. 9:
DIE SINNESWAHRNEHMUNG, DAS "EMPFINDEN" KOMMT AM ENDE

Wie steuern wir unsere Bewegungen? Der Anfang jeder Bewegung muss eine Idee sein - Sie sehen eine Tasse auf dem Tisch und möchten sie ergreifen, zum Beispiel. Wenn Sie sich entschliessen im Sinne dieser Idee zu handeln, werden Sie sich auf eine gewisse Weise (... die sich richtig und natürlich anfühlt...) ausrichten und bewegen, um zur Tasse zu gelangen und diese zu ergreifen. Die zu spürende Empfindung (Sinneswahrnehmung), wenn Sie sich zum Ergreifen der Tasse strecken, entsteht erst, nachdem Sie sich zur Bewegung ausgerichtet haben. Erinnern Sie sich: Die Nervenenden in den Muskeln sind dort, um zurückzumelden, wie Sie sich bewegt haben. Sie können dieses "Feedback" nicht geben, wenn keine Bewegung vorhanden ist. Deshalb können Sie diese Rückmeldung erst bekommen, nachdem Sie sich bewegt haben.

Grundbegriff Nr. 10:
WIR STEUERN UNS IMMER IN JEDER BEWEGUNG

Wir machen die meisten unserer Bewegungen unbewußt, d.h. wir achten nicht bewußt darauf, wie wir uns bewegen, oder darauf, wie wir uns anleiten uns anders zu bewegen. In der Alexandertechnik können Sie lernen zu beachten, wie Sie das tun was Sie tun, und Sie lernen zu wählen, ob Sie mit dieser Weise des Tuns fortfahren wollen oder nicht. Sie können lernen, wie die ineffiziente und überflüssige Art der Steuerung zu stoppen ist (wenn Sie z.B. den Kopf einziehen beim ersten Schritt zum Gehen) und Sie können lernen, die natürliche Leichtigkeit und angeborene Organisation normal wirkend ablaufen zu lassen.

Grundbegriff Nr. 11:
UM DIE BEWEGUNGSWEISE ZU ÄNDERN, MÜSSEN SIE DIE DENKENSWEISE ÄNDERN

Diese Ansicht enthält zwei Teile. Der erste Teil liegt im Erkennen, daß die alte Bewegungsweise - diejenige, die sich für uns natürlich und richtig anfühlt - die gewohnte Art ist. Gewohntes Bewegen ist das, was wir unbewusst und ohne zu denken tun. Gewohntes Bewegen ist das, was wir tun, wenn wir ein Ziel anstreben - eine Tasse ergreifen z.B. - und es unverzüglich erreichen, ohne einen Gedanken daran zu verwenden, wie wir es erreichen. Sofortiges Reagieren ist fast immer gewohntes Reagieren. Deshalb muss, um die Art Ihrer Bewegung zu ändern, Ihre erste Reaktion auf jede Entscheidung zu einer Bewegung oder zu einem Tun, einen Moment warten und nicht tun sein.

Der zweite Teil dieser Ansicht gilt der Art und Weise, wie Sie fortfahren nicht zu tun und immer noch Ihr Ziel anstreben. Erinnern Sie sich, Ihr Kopf bewegt sich zuerst (4. Ansicht) und sein Gelöstsein bestimmt Ihr Gleichgewicht und Ihre Koordination (5. Ansicht). Sie möchten fähig sein, die Tasse zu ergreifen, ohne Ihre natürliche Koordination zu beeinträchtigen.

F.M. Alexander experimentierte lange Zeit und fand eine Reihe von gedanklichen Anweisungen oder Direktiven, welche ihm halfen, seine Koordination während irgend einer Handlung nicht zu behindern. Die Anordnungen lauten: Mein Hals entspannt sich, sodass mein Kopf nach vorne und oben gehen kann, sodass mein Rücken sich längen und weiten kann. Beachten Sie, dass jede Anweisung von der vorherigen abhängt. Wenn Sie die Muskeln in Ihrem Hals anspannen, werden Sie Ihren Kopf nach hinten und nach unten ziehen. Wenn Sie die Halsmuskeln entspannen, wird Ihr Kopf sich auf natürliche Weise nach vorne und oben bewegen. Wenn Ihr Kopf sich nach vorne und oben bewegt, können Sie jedes unnötige Anspannen der Muskulatur Ihres Körpers verhindern, und Ihr ganzer Körper wird sich längen und weiten. BITTE BEACHTEN SIE: Dies sind NICHT Anordnungen für Sie, etwas zu TUN, es sind Anordnungen, zu STOPPEN, was Sie nicht nötig haben als erstes zu tun.

Grundbegriff Nr. 12:
EINE NEUE DENKWEISE ZU LERNEN BRAUCHT ÜBUNG

Wenn Sie sich klar anleiten, den Hals zu entspannen und nicht versuchen etwas zu tun, was sich für Sie wie ein entspannter Hals anfühlt, wird ihr Hals anfangen sich zu entspannen. Aber, erinnern Sie sich daran, dass Sie jahrelange Erfahrung im Hals-anspannen haben. Erinnern Sie sich daran (10. Ansicht), dass Sie sich fortwährend steuern und dass dieses gewohnheitsmässige Steuern auch Anweisungen zum unnötigen Anspannen verschiedener Körperteile - Hals, Rücken, Arme, Beine, u.a.m. - beinhaltet. Dieses alte unbewusste Denken ist viel stärker als Ihr neues Denken. Ihr neues Denken ist wirksam und effektvoll, aber Sie bemerken dies vielleicht jetzt noch nicht. Wenn Sie jedoch bewusst und konsequent diese neue Art des Denkens praktizieren und einwilligen, damit fortzufahren auch wenn Sie jetzt gerade noch keine Resultate spüren, werden Sie erfahren, dass es leichter und leichter und natürlicher wird in dieser neuen Art zu denken, wann immer Sie dies wollen.

Grundbegriff Nr. 13:
WENN SIE IHRE NATÜRLICHEN BEWEGUNGSABLÄUFE NICHT STÖREN, WIRD SICH DIE QUALITÄT IN ALL IHREM TUN VERBESSERN UND FORTFAHREN SICH ZU VERBESSERN.

"Sich selbst in Ruhe lassen", und fortfahren in dieser neuen Art zu denken erlaubt das Sich-ereignen der besten und natürlichsten Bewegung in jeder gegebenen Situation. Wenn Sie singen, wird dies Ihrer Stimme erlauben, klar und frei zu klingen. Wenn Sie tanzen, wird es Ihnen Bewegungen, die frei sind und künstlerische Eingebungen, die klar durchkommen erlauben. Wenn Sie an einem Computer tippen, werden Sie nur die für diese Arbeit nötigen Bewegungen machen und durch zu starke Anspannung verursachte Symptome von Überanstrengung und Stress reduzieren. Sich mit diesen Ansichten eingehend zu beschäftigen, wird Ihre Ausführung irgend einer Handlungen in allen Bereichen auf eine immer höhere Koordinationsstufe heben. Sie werden ein Mittel zur Verfügung haben, wahrzunehmen, wie Sie tun, was Sie tun und zu ändern wie Sie es tun, während Sie in Ihrer Aktivität fortfahren. Sie werden ein Mittel zur Verfügung haben, jede Aufgabe, die Sie sich gestellt haben, auf die erfreulichste, wirksamste und natürlichste Art zu lösen.

Weitere Information bei:

Natural Action, 6836 21st NE, Seattle, WA 981 15, USA,
Tel. 206-522-3584) (Nov.93)
und Nora Suter Hohrütistrasse 19, CH-8302 Kloten (April 98/bx)

 


About The Writer

Catherine Kettrick has a Ph.D. in Linguistics from the University of Washington. She has taught at the secondary school level with the Peace Corps in Fiji, and taught American Sign Language, interpeting, and linguistics at the community college and university level. She has been teaching the Alexander Technique since 1976, privately, in community classes and at the university level in the United States and Europe. In 1986 she co-founded The Performance School, a Center for the Study of the Alexander Technique. She can be contacted at:

Catherine Kettrick
6836 21st Av. NE, Seattle, WA 98115, USA
Tel: +1 206-522-3584, e-mail: Catherine Kettrick


 

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